
Die Architektur der USA bietet viele Überraschungen, was den Wölbungsbau betrifft. In Cortland, einer Kleinstadt im Staate New York südlich von Syracuse, fand sich in einem Wohngebiet dieses Wohnhaus mit einer überwölbten Eingangstür.

Die mittige Tür wird links und rechts von schmalen Fenstern begleitet, ein Architekturmotiv das von Serlio entwickelt wurde und sehr gerne von Palladio bei seinen Landvillen zur Gestaltung von Wandöffnungen angewandt wurde. Durch den Neo-Palladianismus kam dieses Gestaltungselement nach Nordamerika und wird dort bis heute in Gebrauch gehalten.
Bei dieser Tür ist jedoch aus dem in der Serliana üblichen Bogenöffnung über der mittig zwischen seitlichen Fenstern liegenden Wandöffnung ein Gewölbe geworden, das auf Konsolen aufliegt und sich wie eine geöffnete Muschel dem Passanten zeigt, der auf die Hauseingangsfront zugeht. Die Stelle der Tür wird dadurch als Mitte der Fassade herausgehoben und das Haus wirkt recht einladend.
Überdachte Vorräume vor der Hauseingangstür sind nicht selten mit Gewölben oder einem Gewölbeabschnitt, also einem Bogen versehen, um die Hauseingangsfront wohnlich und einladend zu gestalten. Dieses Wohnhaus, ebenfalls in Cortland, hat einen

überdachten Vorraum über einem Treppenpodest. Ein flacher Spitzbogen als Gewölbeabschnitt befindet sich über dem Durchgang zum Vorraum. Dieses moderne neugotische Gestaltungselement setzen die amerikanischen Architekten als Verweis auf ihre Bautradition ein, auf die sie stolz sein können.
Mächtige Natursteinbögen, um überwölbte Vorräume vor Gebäudeeingängen zu schaffen, gehen auf den amerikanischen Architekten H.H.Richardson zurück, der von den riesigen Felsbrücken in verschiedenen amerikanischen Landschaften beeindruckt war und die Begeisterung für diese Felsbrücken als Motiv in seine neoromanische Architektur

einfließen ließ. Aus dieser Architektur entwickelte sich der Richardsonian Style, ein Baustil, den die Anhänger der Architektur von H.H.Richardson in vielen Gebieten der USA verbreiteten. Als Teil dieser Architekturströmung entstand auch in Syracuse im Staate New York dieser Zugang zu einem Gebäude, der mit einem Bogen aus großen Natursteinblöcken versehen ist.
Der Bogen über diesem Eingang verweist auf einen sehr langen Tunnel, der zu einer Subway Station im Stadtteil Fort George auf der Insel Manhattan in New York City führt. Der Bogen hat dieselbe Bogenlinie des Tunnelgewölbes erhalten und zeigt dem Eintretenden an, daß er in einen überwölbten Gang eintreten wird, der tief ins Berginnere dieses Felsmassivs führt, durch den die Subwaylinie geführt wurde. Bögen als Gewölbeabschnitte und überwölbte Gebäudeeingänge sind bis heute ein beliebtes Thema in der nordamerikanischen Architektur.

In Glens Falls am oberen Hudson River im Staat New York findet sich dieser überwölbte Zugang zu einem Geschäftraum, der sehr interessant mit einem weitgespannten Bogen verknüpft wurde. Während das Gewölbe über dem Zugang korbbogenförmig gehalten wurde, erhielt der weitgespannte Bogen den Bogenverlauf eines Segmentbogens. Für den Architekten ergab sich dadurch die Möglichkeit, die Glaskuben des Schaufensterbereiches hervorzuheben. Diese Bogen- und Gewölbearchitektur wurde in den Zwischenraum eines Tragwerksgerüstes aus Stahlstützen und dem horizontalen Stahlträger eingebaut.
Karl-Ludwig Diehl

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