Von G.Bandhauer gibt es eine Theorie des Bogenbaues. Man hat daraus Wissen entnommen, um in einer Fachzeitschrift über den Gewölbebau zu informieren. (1) Diese Ausführungen sind ganz nützlich, weil sie ein Gespür dafür geben, wo Probleme bei gemauerten Gewölben auftreten können und wie sie sich mit einfachen Mitteln vermeiden lassen. Bandhauer hat Bemerkungen gemacht über das Verhältnis von Spannweite und gemauerter Dicke der Gewölbe.
"Betrachten wir mehrere freistehende Gewölbe, und vergleichen wir ihre Maße unter einander, so werden wir durchschnittlich finden, daß uns eine Dicke von 1 Fuß am Scheitel der Gewölbe noch zusagt, welche 30 Fuß weit und 15 Fuß hoch von Mauersteinen, 50 Fuß weit und 25 Fuß hoch von Sandsteinen mit gehöriger Schärfe ausgeführt sind. Hiernach ist die Dicke am Scheitel bei Mauersteinen 1/30, und bei Sandsteinen 1/50 der Weite." (2)
Da will man mehr dazu wissen. Der Wölbungsverlauf ist halbkreisförmig. Bandhauer weist nun darauf hin, daß ein Zerbröckeln der vermauerten Steine an den Kanten anfan-
ge:
"und zwar um so früher, je kleiner oder dünner die Steine sind, und daß darum ein aus flächern Steinen bestehendes Gewölbe doch dicker als ein anderes, das aus höhern Steinen besteht, gemacht werden muß" (3)
Es sei auch so, daß an den Enden, welche die äußere und innere Gewölbefläche bilden, die Mauersteine nicht so eine innige Verbindung durch den Kalkmörtel erhielten wie in der Mitte, also im Inneren des Gewölbes. Ein weiteres Problem sei die Menge der Fugen im Gewölbe. Bei einem Mauersteinbogen hätte das zur Folge, daß sich der Bogen setzt, wenn das Bogengerüst weggenommen werde. Dadurch würden die Schlußsteine unten ihre Mörtelbindung verlieren, während die Steine an der oberen Seite stark gepreßt würden.
"Bei sehr dicken Gewölben erlebt man aus diesem Grunde oft, daß die untern Schlußsteine völlig herausfallen." (4)
Als Gegenmittel empfiehlt er dies:
"Diesen Uebelstand zu vermeiden, dient nur das Einzige, die unterste Reihe Steine am Scheitel auf das festeste einzuschlagen, die obern aber etwas lockerer zu lassen." (5)
Der Effekt sei dann, die oberen Steine würden verpreßt, die unteren Steine am Scheitel würden sich nicht mehr lockern.
Eine weitere wichtige Auseinandersetzung habe zu der Frage stattzufinden, ob Bogengerüste wegzunehmen sind, wenn der Kalkmörtel erhärtet ist oder nicht. Bandhauer meint, es würde Baumeister geben, die lehren würden, der Kalkmörtel müsse erhärtet sein, vorher dürfe ein Lehrgerüst nicht weggenommen werden. Aber genau dies sei falsch.
"Das Setzen des Mauersteingewölbes ist aus besagten Gründen unausbleiblich, auch wenn der Mörtel schon erhärtet wäre. Findet nun aber ein Setzen bei erhärtetem Mörtel Statt, so muß die Cohäsion aufhören; ist aber der Mörtel bei Herausnahme der Rüstung noch weich, so drückt er sich desto fester zusammen, und verbindet das Gewölbe durch die Erhärtung zu einem bleibenden, festen Ganzen. Man sorge daher im Gegentheil mit Strenge dafür, daß der Mörtel bei Herausnahme der Bogengerüste noch weich sei. Möglich ist dieß nur: 1) durch längeres Anfeuchten der Steine vor dem Verbrauche; 2) durch recht dünnen Mörtel; 3) durch beständiges Begießen der fertigen Gewölbetheile, und 4) durch sehr schnelles Arbeiten." (6)
Die Rede ist vom Kalkmörtel. Bandhauer meint also, er müsse noch weich sein, wenn das Bogengerüst weggenommen wird. Nach weiteren Hinweisen zum Gewölbe- und Bogenbau ist zu suchen.
Karl-Ludwig Diehl
baugeschichte (at) hotmail.com
Anmerkungen:
(1) G.Bandhauer: Praktische Bemerkungen über das Wölben. Ein Auszug aus seiner Theorie des Bogenbaues. S.218-220 in: Allgemeine Bauzeitung. Wien, 1836.
(2)-(5) zitiert aus: G.Bandhauer, wie vor, S.218
(6) zitiert aus: G.Bandhauer, wie vor, S.219
Sonntag, 29. November 2009
Mittwoch, 4. November 2009
Deutsches Gewölbemuseum

Die Idee zum Deutschen Gewölbemuseum (DGM) entstand im Jahre 2004 in Hamburg. Das Jugendstilbad in Hamburg-Altona sollte mit einem Ausstellungsprojekt zum Thema "Bogen,Wölbung, Ziegelschale" durch das Deutsche Gewölbemuseum gerettet werden. Leider hatte man bereits die Inneneinrichtung dieses eingewölbten Bades zerstört und eine Nutzung der Halle wurde aus Sicherheitsgründen nicht mehr erlaubt. Deshalb wurde eine kleine Ausstellung zum Architektursommer im Jahre 2006 in Hamburg erarbeitet. Diese Ausstellung konnte im Bürgerhaus des Stadtteils Wilhelmsburg auf der großen Elbinsel zwischen Norder- und Süderelbe gezeigt werden.

Im Juni des Jahres 2007 zog das Deutsche Gewölbemuseum in den Westerwald um. Aufenthaltsort wurde Montabaur, die Kreisstadt des Westerwaldkreises. Hier wurden Ausstellungen in der leerstehenden Kreuzkapelle nahe dem Kreishaus gezeigt. Sowohl der Landrat des Westerwaldkreises, als auch der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Montabaur besuchten das Gewölbemuseum.

Während der Zeit, als das Deutsche Gewölbemuseum im Westerwald Station machte, betrieb diese Einrichtung Forschungen zur Baugeschichte des Westerwaldes und erkundete die historischen Gewölbe unter den Altstadtbauten der Innenstadt von Montabaur.

Die Regionalpresse und der regionale Fernsehsender brachten Berichte über den Werdegang des Gewölbemuseums. Auch fanden sich organisierte Besuchergruppen ein, die darauf aus waren, das Deutsche Gewölbemuseum fest in der Kleinstadt Montabaur zu verankern. Da es sich jedoch vorläufig um eine wandernde Forschungseinrichtung handelt, die Material zusammentragen will, war dies nicht möglich.

Inzwischen ist das Deutsche Gewölbemuseum nach New York umgezogen, wo es sich längere Zeit aufhalten wird, um Forschungen zu betreiben. Erste Arbeitsergebnisse zu den Guastavinos, einer Familie von Gewölbebaumeistern aus Spanien, die in den Vereinigten Staaten zahllose Gewölbe errichteten, liegen bereits vor.

Die eindrucksvollen Flachziegelschalen der Guastavinos finden sich an vielen Stellen der Stadt New York, so zum Beispiel über einem Restaurant in Midtown Manhattan.

Im Westerwald hatte die systematische Bearbeitung der Baugeschichte und die Suche nach Gewölben durch das Deutsche Gewölbemuseum zu einem fruchtbaren Dialog mit der Bevölkerung geführt. Es bildete sich eine Initiative zur Restaurierung von historischen Gewölben unter der Stadt Montabaur heraus. Bei diesen Begegnungen und Unternehmungen stießen wir auf eines der großen Gewölbeareale, die es unter den Stadtgebäuden gibt. Wir organisierten Begehungen mit den beiden Bürgermeistern, sowohl der Kleinstadt wie dem der Verbandsgemeinde, zu der Montabaur gehört, und betraten dabei auch die Gewölbe eines historischen Brauereigebäudes aus der Mitte des 19.Jahrhundert. Obwohl das Brauhaus in den oberen

Geschossen abgerissen und neu aufgebaut wurde, sind die historischen Gewölbe, als zwei untere Geschosse übereinander gebaut, immer noch vorhanden. Voll Schutt und mit Feuchtigkeit im Mauerwerk, warten sie auf eine Instandsetzungsarbeit. Diese wurde inzwischen begonnen. Man kann dies als einen Erfolg der Arbeit des Deutschen Gewölbemuseums ansehen. Zur Zeit wird aller Schutt aus dem Inneren der Gewölbe nach draußen gefahren. Ein Langzeitarbeitsloser hat dadurch eine bezahlte Tätigkeit erhalten können.
Karl-Ludwig Diehl
baugeschichte (at) hotmail.com
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